Longevity
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24.1.2026

Warum niemand seine Lebensdauer messen kann

Was Biomarker wirklich aussagen – und warum sie eher Orientierung als Vorhersage liefern

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Die Vorstellung ist verlockend: Ein paar Messwerte, ein Test, eine Kennzahl – und schon lässt sich sagen, wie lange ein Mensch leben wird. Artikel über angebliche “Biomarker für die Lebensspanne” bedienen genau diese Sehnsucht nach Sicherheit und Kontrolle. Wissenschaftlich hält dieses Versprechen jedoch nicht stand. Und gerade darin liegt eine wichtige, oft übersehene Erkenntnis.

Lebensdauer ist kein Messwert

Die menschliche Lebensdauer ist kein biologischer Fixwert, der sich wie Blutdruck oder Cholesterin bestimmen lässt. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren: Genetik, Umwelt, Lebensstil, soziale Einbindung, Zufall und medizinische Versorgung. Kein einzelner Marker – und auch keine Kombination weniger Marker – kann diesen Prozess zuverlässig vorhersagen.

Was häufig als “Biomarker für die Lebensdauer” bezeichnet wird, sind in Wahrheit Risikomarker oder Funktionsindikatoren. Sie beschreiben den aktuellen Zustand eines Organismus, nicht dessen Zukunft.

Was diese Marker wirklich anzeigen

Griffkraft, Gehgeschwindigkeit oder bestimmte Entzündungswerte gelten als gut untersucht, weil sie etwas sehr Konkretes widerspiegeln: funktionelle Reserve. Sie zeigen, wie belastbar ein Mensch im Moment ist, wie gut Muskeln, Nervensystem und Stoffwechsel zusammenspielen.

Das macht sie wertvoll – aber nicht als Orakel. Sie sagen nicht, wie lange jemand leben wird, sondern wie gut der Körper aktuell mit Anforderungen umgehen kann.

Assoziation ist keine Vorhersage

Ein häufiger Denkfehler liegt in der Verwechslung von Zusammenhang und Prognose. Wenn Menschen mit geringer Gehgeschwindigkeit statistisch früher sterben, bedeutet das nicht, dass sich aus der Gehgeschwindigkeit eines einzelnen Menschen seine Lebensdauer berechnen ließe.

Solche Marker arbeiten auf Bevölkerungsebene, nicht auf individueller Ebene. Sie helfen, Risiken zu erkennen – nicht Schicksale zu bestimmen.

Warum diese Unschärfe ein Vorteil ist

Dass sich die Lebensdauer nicht messen lässt, ist keine Schwäche der Wissenschaft, sondern eine gute Nachricht. Denn die meisten dieser Marker sind veränderbar. Muskelkraft lässt sich aufbauen, Beweglichkeit verbessern, Entzündungsprozesse beeinflussen. Genau hier liegt ihr eigentlicher Wert.

Wären diese Marker tatsächlich Vorhersagen, gäbe es wenig Handlungsspielraum. Als Richtwerte des momentanen Zustands eröffnen sie hingegen Optionen: für Prävention, Anpassung und gezielte Unterstützung.

Der eigentliche Fokus: nicht Lebensdauer, sondern Lebensqualität

Die Fixierung auf die Frage “Wie lange werde ich leben?” lenkt vom Wesentlichen ab. Relevant ist nicht die maximale Lebensspanne, sondern die Qualität der Jahre, die gelebt werden. Funktionsfähigkeit, Selbstständigkeit, geistige Klarheit und soziale Einbindung lassen sich nicht in einer Zahl zusammenfassen – aber sie lassen sich beeinflussen.

Fazit

Niemand kann seine Lebensdauer messen. Und niemand sollte es versuchen. Marker können Hinweise geben, wo ein Körper Unterstützung braucht, nicht wohin ein Leben zwangsläufig steuert. Wer sie so versteht, nutzt sie sinnvoll – als Orientierung, nicht als Prognose.

Gesundes Altern entsteht nicht durch Vorhersagen, sondern durch Handlungsspielräume.

Referenzen

Experte

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Wissenschaftliche Begriffe

Biomarker

Eine spezifische Substanz, ein physisches Merkmal, ein Gen usw., das gemessen werden kann, um das Vorhandensein oder den Fortschritt einer Krankheit anzuzeigen.

Biologisches Alter

Das biologische Alter ist das Alter der Zellen im Körper, das durch verschiedene Eigenschaften und Biomarker, die in der Forschung mit dem Altern und dem Verfall korrelieren, bestimmt wird.

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Die Vorstellung ist verlockend: Ein paar Messwerte, ein Test, eine Kennzahl – und schon lässt sich sagen, wie lange ein Mensch leben wird. Artikel über angebliche “Biomarker für die Lebensspanne” bedienen genau diese Sehnsucht nach Sicherheit und Kontrolle. Wissenschaftlich hält dieses Versprechen jedoch nicht stand. Und gerade darin liegt eine wichtige, oft übersehene Erkenntnis.

Lebensdauer ist kein Messwert

Die menschliche Lebensdauer ist kein biologischer Fixwert, der sich wie Blutdruck oder Cholesterin bestimmen lässt. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren: Genetik, Umwelt, Lebensstil, soziale Einbindung, Zufall und medizinische Versorgung. Kein einzelner Marker – und auch keine Kombination weniger Marker – kann diesen Prozess zuverlässig vorhersagen.

Was häufig als “Biomarker für die Lebensdauer” bezeichnet wird, sind in Wahrheit Risikomarker oder Funktionsindikatoren. Sie beschreiben den aktuellen Zustand eines Organismus, nicht dessen Zukunft.

Was diese Marker wirklich anzeigen

Griffkraft, Gehgeschwindigkeit oder bestimmte Entzündungswerte gelten als gut untersucht, weil sie etwas sehr Konkretes widerspiegeln: funktionelle Reserve. Sie zeigen, wie belastbar ein Mensch im Moment ist, wie gut Muskeln, Nervensystem und Stoffwechsel zusammenspielen.

Das macht sie wertvoll – aber nicht als Orakel. Sie sagen nicht, wie lange jemand leben wird, sondern wie gut der Körper aktuell mit Anforderungen umgehen kann.

Assoziation ist keine Vorhersage

Ein häufiger Denkfehler liegt in der Verwechslung von Zusammenhang und Prognose. Wenn Menschen mit geringer Gehgeschwindigkeit statistisch früher sterben, bedeutet das nicht, dass sich aus der Gehgeschwindigkeit eines einzelnen Menschen seine Lebensdauer berechnen ließe.

Solche Marker arbeiten auf Bevölkerungsebene, nicht auf individueller Ebene. Sie helfen, Risiken zu erkennen – nicht Schicksale zu bestimmen.

Warum diese Unschärfe ein Vorteil ist

Dass sich die Lebensdauer nicht messen lässt, ist keine Schwäche der Wissenschaft, sondern eine gute Nachricht. Denn die meisten dieser Marker sind veränderbar. Muskelkraft lässt sich aufbauen, Beweglichkeit verbessern, Entzündungsprozesse beeinflussen. Genau hier liegt ihr eigentlicher Wert.

Wären diese Marker tatsächlich Vorhersagen, gäbe es wenig Handlungsspielraum. Als Richtwerte des momentanen Zustands eröffnen sie hingegen Optionen: für Prävention, Anpassung und gezielte Unterstützung.

Der eigentliche Fokus: nicht Lebensdauer, sondern Lebensqualität

Die Fixierung auf die Frage “Wie lange werde ich leben?” lenkt vom Wesentlichen ab. Relevant ist nicht die maximale Lebensspanne, sondern die Qualität der Jahre, die gelebt werden. Funktionsfähigkeit, Selbstständigkeit, geistige Klarheit und soziale Einbindung lassen sich nicht in einer Zahl zusammenfassen – aber sie lassen sich beeinflussen.

Fazit

Niemand kann seine Lebensdauer messen. Und niemand sollte es versuchen. Marker können Hinweise geben, wo ein Körper Unterstützung braucht, nicht wohin ein Leben zwangsläufig steuert. Wer sie so versteht, nutzt sie sinnvoll – als Orientierung, nicht als Prognose.

Gesundes Altern entsteht nicht durch Vorhersagen, sondern durch Handlungsspielräume.

Experte

Maria Enzersdorf

Dr. Christina Hakl

Referenzen

Wissenschaftliche Begriffe

Biomarker

Eine spezifische Substanz, ein physisches Merkmal, ein Gen usw., das gemessen werden kann, um das Vorhandensein oder den Fortschritt einer Krankheit anzuzeigen.

Biologisches Alter

Das biologische Alter ist das Alter der Zellen im Körper, das durch verschiedene Eigenschaften und Biomarker, die in der Forschung mit dem Altern und dem Verfall korrelieren, bestimmt wird.

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